Soziale Beratung im digitalen Zeitalter: Von neuen Chancen bis zu unsichtbarer Gewalt

7. Fachtag

Unter der Überschrift „Soziale Beratung im digitalen Zeitalter: Von neuen Chancen bis zu unsichtbarer Gewalt“ fand am 12. September 2025 der 7. Fachtag im Rahmen des Projekts „Worte helfen Frauen“ statt. An der Veranstaltung nahmen etwa 80 Fachkräfte aus Beratungsstellen, Schutz- und Hilfestrukturen, Behörden, dem Gesundheitswesen sowie Gleichstellungs­beauftragte teil.

Digitale Technologien verändern die soziale Beratung nachhaltig – sie bieten neue Möglichkeiten der Unterstützung, stellen Fachkräfte aber auch vor neue Herausforderungen. Der Fachtag widmete sich zentralen Fragen rund um die Digitalisierung in der psychosozialen Beratung.

Soziale Beratung und Digitalisierung – Herausforderungen und Chancen

Die Digitalisierung hat die Landschaft der psychosozialen Beratung grundlegend verändert und eröffnet neue Wege der Unterstützung und Kommunikation. Beratungskonzepte wie das Blended Counseling, bei dem die Vorteile von Präsenzberatung mit modernen digitalen Ansätzen fachlich fundiert kombiniert werden, gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die Sozialen Arbeit/Beratung stellte Prof. Dr. Robert Lehmann, Technische Universität Nürnberg, Akademischer Leiter des Instituts für E-Beratung, dar. Neben einem entwicklungs­historischen Abriss, erläuterte er u.a., wie mit dem professionellen konzeptionellen Aufbau digitaler Beratungs­möglichkeiten neue Zielgruppen erreicht werden können.

Unsichtbar und doch ganz nah – digitale Gewalt im sozialen Nahraum

Michaela Burkhard, Referentin des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, beschrieb die digitale Bedrohungslage, die Frauen im sozialen Nahraum erleben: Stalking, Überwachung, Drohungen und Kontrolle mit digitalen Mitteln sind Formen partnerschaftlicher oder sexualisierter Gewalt, von denen Frauen zunehmend betroffen sind. Digitale Gewalt überschreitet die Grenzen der Privatsphäre, findet über viele verschiedene Kontaktmöglichkeiten statt und hat für die Betroffenen schwerwiegende Folgen. Nur ein strukturiertes Vorgehen verbunden mit digitaler Kompetenz von Fachberaterinnen kann den Schutz von Frauen und Kindern vor digitaler Gewalt erhöhen. Es braucht Fachwissen im Schutz- und Hilfesystem, ebenso bei Polizei, Justiz und Verwaltung.

Frühwarnsystem KI? Chancen und Risiken im Umgang mit häuslicher Gewalt

Im dritten Teil des Fachtages ging es um den Einsatz von KI als Frühwarnsystem für die Gefährdungsanalyse. Ba-Linh Le, Mitbegründerin und Chief Data Officer des Unternehmens Frontline, stellte die browserbasierte App Lizzy vor.

Lizzy ist die erste KI-gestützte Gefährdungsanalyse, die auf bundesweiten repräsen­tativen Daten basiert und Fachkräfte wie Polizei und Sozialarbeiter:innen bei der präzisen und verlässlichen Einschätzung von Risiken und des Unterstützungs­bedarfs unterstützt. Lizzy wird bereits von Beratungs- und Interventions­stellen, Frauenhäusern und Schutz­unterkünften in acht Bundesländern verwendet.

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